Einmal hatten wir Hunderte von Brauereien. Sie brauten über gärende Biere mit Namen wie Princessebier, Maastrichts alte, Pharao, Mol und Hoppenbier. Die Biere waren dunkel, nicht sehr leicht trinkbar und schlecht nachhaltig. Buchstäblich flüssiges Brot.

Im 19. Jahrhundert trafen wir auf die neuen untergärungsigen Biere, die in Bayern gebraut wurden. Diese Biere wurden kühl fermentiert, waren heller in der Farbe, leichter im Geschmack und köstlich trinkbar. Wenn sie es sich leisten konnten, haben Sie versucht, so ein besonderes deutsches Lagerbier zu bekommen.
1879 wurde der Amersfoort Beiersch-Bier-Brouwerij eröffnet. Die erste Brauerei, die Bier auf bayerische Art und Weise herstellt. Später folgten weitere wie Heineken und Amstel. Ihr Sortiment bestand aus Lagerbieren wie Dortmunder, München, Pilsner und Wien.
Die Brauereien traditioneller niederländischer Biere konnten nicht mit diesen neuen, großen Lagerbrauern konkurrieren. Einer nach dem anderen legte den Bob oder wurde übernommen und geschlossen.
1980 gab es nur noch 15 aktive niederländische Brauereien. Von den verschiedenen Bieren, die sie einst hergestellt haben, blieb nur noch Lager übrig. Das ehemals teuerste Bier der Niederlande war zu einem billigen, halbwegs charakterlosen gelben Getränk geworden, das vor allem versuchte, möglichst viele Trinker zu begeistern. Und mit Erfolg, weil 1980 99 des in den Niederlanden getrunkenen Bieres aus Lager bestand.
Belgien hatte auch mit der Pils-Revolution zu kämpfen. Damals wurden dort fast die gleichen Biere hergestellt wie in den Niederlanden. Die traditionellen belgischen Brauereien waren jedoch viel moderner, so dass sie sich besser gegen all die Lagergewalt wappnen konnten. Gemeinsam suchten die belgischen Brauer nach Alternativen zu Lager und entstanden so aus englischen Ales-Abgeleiteten Arten wie Special Belgian und Blond. Die traditionellen Biere wurden weggeworfen. Die meisten belgischen Biere, die wir heute kennen, wurden jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt. Tripel und Quadruppel stammen sogar aus der vorkurzem Zeit. Die Tatsache, dass wir alle an jahrhundertealte Traditionen in diesen Bieren denken, ist daher etwas ungerechtfertigt. Bevor die Treppenläufe von Westvleteren auf „traditionelle“ Trappistenbier umstellten, brauten sie sogar Lager!
Ab den 1970er Jahren bekommt belgisches Bier einen Platz in unserem Bierregal. Wir nennen sie Spezialbiere, wie die bayerischen Biere ein paar hundert Jahre zuvor. Das einst so spezielle Lager heißt fortan Just Bier.
Inspiriert von belgischen Bieren öffnet eine neue Brauerei nach der anderen ihre Pforten. Sie alle brauen eine blonde, doppelte, dreifache, Quadruppel und später auch englische Arten wie Stout und IPA. Inzwischen sind bereits mehr als 600 Brauereien in den Niederlanden aktiv!
Und dann wurde es 2018 und die Brauerei Bierverbond öffnete ihre Pforten. Wir wollen die alten Lagerarten, die einst so besonders waren, wiederbeleben. Wir möchten, dass Sie probieren, wie lecker diese jetzt vergessenen Biere sind. Wir machen biert einfach wieder zu etwas Besonderem!